Handwerk Qualität

nach dem Abi ins Handwerk
Nach dem Abi entscheiden sich zu wenige für das Handwerk – das meint zumindest SCHNEEWEISS ARCHITKTEN

Abiturienten ins Handwerk!

Anforderungen an die Ausführung werden immer komplexer

Die Klage der Handwerksbetriebe ist immer gleich: „Wir finden keine guten Leute!“ – Und damit sind wir bei der Gegenseite der Medaille: Auftraggeber, Bauüberwacher, Planer klagen: „Seit Jahren sinkt die Qualität…“ Und diese Entwicklung findet vor dem Hintergrund immer komplexerer Bauausführungen statt. Beispielhaft sei hier das Thema der Energieeinsparung angeführt. Es reicht heute nicht mehr, eine Mauer mit Löchern zu bauen, irgendwie Fenster reinzubasteln, Putz drauf zu klatschen und fertig ist die Wand. Die Anforderungen des heute üblichen, hohen Wärmeschutzes führen dazu, dass man sich über viele zusätzliche Dinge Gedanken machen muss:

  • welche Wärmeleitfähigkeit hat der Mauerstein und welche Festigkeit kann er dann noch haben?
  • wie ist der Anschluss der Dämmung an die Fenster, ohne dass eine Wärmebrücke entsteht?
  • wie befestige ich Bauteile, ohne dass eine Wärmebrücke entsteht
  • wie vermeide ich konvektiven Feuchteeintrag in die Dämmebene?
  • wie verputze ich eine Fassade, um Algen- und Pilzbefall möglichst zu vermeiden
  • wie vermeide ich Rissbildung im Putz, wie muss dafür das Mauerwerk aussehen?
  • wie sieht der Sockelabschluss aus, so dass der Putz keine Feuchtigkeit zieht?
  • wie sehen die Anschlüsse der Dämmebene an Fensterbänke, Fenster, Dachabschlüsse etc. aus?
  • usw. usf.

Das Erstellen eines Gebäudes ist heute eine hoch komplexe Aufgabe, um auch die aktuellen Ansprüche an komfortables Wohnen (im Winter warm, im Sommer kühl, gute Luft, leichte Bedienbarkeit, geringer Energieverbrauch, gutes Licht, vernetze Stromsysteme,  und nicht zu vergessen die Ansprüche an die sanitären Anlagen…) zu ermöglichen. Um hier ein für alle befriedigendes Ergegnis zu erreichen, ist es dringend erforderlich, dass die Ausführenden, die Handwerker vor Ort, diese Komplexität auch verstehen und über den Tellerrand hinausblicken können. Dies ist aber nicht möglich, wenn nur noch diejenigen den Handwerkerberuf ergreifen, die gerade so die Gesamtschule bis zum 9. Schuljahr geschafft haben. Hier ist praktische Intelligenz gefordert mit entsprechendem theoretischen Hintergrund.

Es stellt auch eine falsche Hoffnung dar, wenn man denkt, dass die qualifizierte Bauüberwachung der beteiligten Ingenieure und Architekten dieses Defizit ausgleichen können. Auch ein noch so qualifizierter Bauleiter ist mit dieser Aufgabe überfordert. Und es stellt auch einen überzogenen Anspruch an die Überwachung dar, wenn der Bauleiter die Ausführungsweisen von 25 Gewerken besser beherrschen soll als diejenigen, die es eigentlich gelernt haben…

Gerade die Aufgabe der praktischen Intelligenz sollte viele Abiturienten reizen. Nach 12 oder 13 Jahren Schule stellen doch einige fest, dass die Theorie nicht ihre Sache und die Hochschulkarriere nicht ihr Ziel ist. Fremdsprachen: nee, Mathe ok, aber zum Studium reicht es nicht, Bio so lala, Physik so lala… Da wäre die Praxis, die Erfahrung, dass aus vernünftigen, komplexen Denken eine gute Sache entsteht, eine echte Alternative. Dann würde auf den Baustellen vielleicht auch weniger zweimal gebaut werden, oder irgendjemand fragt vorher, ob das tatsächlich so gemacht werden soll… Davon hätten alle etwas. Das Handwerk, die Bauherren und Baufrauen, die Bauüberwachung und die Versicherungswirtschaft.

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