Eine neue Gas- oder Ölheizung im Jahr 2024?

Die neue Gasheizung oder Ölheizung ist billig und gemäß GEG darf sie bis zum Vorliegen einer Wärmeplanung der Gemeinden (spätestens 1.7.2026 bzw. 2028) auch eingebaut werden. Doch der Haken in der auf Zwang der FDP „technologieoffenen“ Lösung des GEGs liegt in der Zukunft. Jeder, der heute eine Gas- oder Ölheizung einbaut, verpflichtet sich dazu, dass der Anteil des verwendeten Brennstoffs immer grüner wird. Die Verpflichtung geht der Betreiber der Heizung ein und nur dieser ist dafür verantwortlich. Was heißt grün? Der Brennstoff kann sein

  • grüner Wasserstoff, also durch Elektrolyse hergestellter Wasserstoff. Dabei muss der Strom der Elektrolyse aus Energiequellen ohne CO2-Ausstoß (Wind, PV..) stammen
  • biogenes Flüssiggas
  • Biomethan
  • synthetischer Brennstoff auf Basis von grünem Wasserstoff

Der verpflichtende Anteil  „grünen Brennstoffs“ steigt bis 2045 folgendermaßen an:

  • ab 2029: min. 15%
  • ab 2035: min. 30%
  • ab 2040: min. 60%
  • ab 2045: 100%

Na, das ist doch kein Problem…. sagt der Heizungsbauer. Und das ist falsch. Das ist ein großes Problem. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz schreibt dazu:

„Das Angebot an nachhaltig produzierten Biomethan und biogenem Flüssiggas ist begrenzt. Zusätzlich wird des in der Industrie benötigt. Dadurch sind deutlich höhere Preise als für konventionelles Erdgas oder Heizöl wahrscheinlich.

Auch grüner Wasserstoff ist sehr knapp und teuer. (…) Die Kombination aus knappen Angebot und hoher Nachfrage wird auch hier die Preise langfristig nach oben treiben.“

Da sind also zunächst die Betriebskosten. Heute, da es noch kaum Nachfrage für Biogas gibt, beträgt der Mehrpreis schon ca 2 bis 3 Ct/kWh bzw 20 bis 30 % der Energiekosten. Was das heißt, wenn plötzlich Millionen Gaskunden Biogas haben wollen, dürfte jedem klar sein.

Bei biogenem Öl sieht es nicht besser aus. Aktuell ist es nahezu unmöglich Heizöl mit Beigmischung von biogenem Öl zu kaufen. Man findet lediglich CO2-kompensierte Heizöle. Das ist aber nicht gemeint… In diesem Segment tritt die Öl-Heizung zukünftig in Konkurrenz zum Diesel, bei dem bereits heute bescheidene 7% biogenes Diesel dem Sprit beigemischt werden. Wer da den Kampf gewinnt, dürfte auch klar sein…

Na, dann rüsten wir unsere Gas-Heizung halt um, das dürfte ja nicht so schwer sein… Mal schaun, was z. B. Buderus dazu schreibt:

„Der Wandel hin zu einer nachhaltigen Energieversorgung ist jedoch nicht möglich, bevor Verteilernetze entsprechend angepasst worden sind. Ferner müssen Endverbraucher-Geräte auf die fortwährend steigende Beimischung von Wasserstoff ausgerichtet werden. Alle Haushalte zusammengenommen, heizt Deutschland derzeit mit etwa 14 Millionen Gasgeräten, von denen jedes zweite älter als 20 Jahre ist. Eine Umrüstung auf wasserstoffverträgliche Geräte wäre somit zwingende Voraussetzung einer höheren Wasserstoffbeimischung. Anders als bei der Umstellung von L auf H-Gas in Nordwest-Deutschland, können dabei keine Umrüstsätze verwendet werden, um bestehende Wärmeerzeuger auf die veränderte Zusammensetzung des Energieträgers zu ermöglichen. Denn dafür müssten sicherheitsrelevante Komponenten in den Geräten getauscht werden und eine neue Sicherheitszertifizierung und Abnahme am Gerätestandort erfolgen.“ (Quelle: https://www.buderus.de/de/wasserstoff – abgerufen am 3.6.2024)

Also 2045 ist in 21 Jahren… Auch die neuen Geräte sind in ihren Möglichkeiten limitiert. Viessmann schreibt:

„Als Innovationsführer der Branche hat Viessmann die effiziente Verwendung von Wasserstoff bereits heute zum Heizen möglich gemacht. Die modernen Gas-Brennwertgeräte sind H₂-ready, das heißt, sie können mit 20 bis 30 Prozent Wasserstoff im Erdgas betrieben werden. Bauherren und Modernisierer, die sich für einen solchen Wärmeerzeuger entscheiden, sind damit bestens vorbereitet für die bevorstehende Entwicklung unseres Energiesystems“ (Quelle: https://www.viessmann.de/de/wissen/technik-und-systeme/heizen-mit-wasserstoff.html – abgerufen am 3.6.2024)

Das heißt, dass eine heute eingebaute Heizung, die 20% Wasserstoff verträgt, nur eine Lösung bis 2034 ist, also eine Lösung für weniger als 10 Jahre. Sollte die Gasheizung eine Beimischung von 30% Wasserstoff im Gas vertragen, dann ist 2039 Schluss, also in 15 Jahren. Was sind denn das für Perspektiven?

Wie soll also die steigende Verpflichtung auf CO2-vermeidende Beheizung umgesetzt werden? Da bleibt dann in den meisten Fällen nur der Einbau einer Wärmepumpe oder einer Pelletheizung. Und nun fragt man sich, warum nicht gleich eine Wärmepumpe oder eine Pelletheizung, wenn es langfristig sowieso darauf hinausläuft?

Ach, das FDP-Argument: Da kommt sicher noch eine Innovation….

Ja, man wird noch träumen dürfen. Aber aus einem Traum aufzuwachen, indem einem die Heizung abgestellt wird, ist ein wirklich böses Erwachen.

 

5 thoughts on “Eine neue Gas- oder Ölheizung im Jahr 2024?”

  1. Im Moment herrscht maximale Verunsicherung was das Thema Heizung angeht. Die Energiepolitik der letzten drei Jahre war leider alles andere als verlässlich und vor allem schlecht kommuniziert. Ergebnis: der Häuslebesitzer weiß nun gar nicht mehr was richtig und was falsch ist. Planungssicherheit gibt es nicht, Dinge die heute noch gelten können ein auf die andere Woche nicht mehr wahr sein. Beispiel: Förderung von Gas-Hybridanlage, die Förderung wurde ein auf die andere Woche abgeschafft im Sommer 2022. Eigenheimbesitzer die sich schon mal den Gasanschluss haben legen lassen mussten nach ihrem Sommerurlaub erstaunt feststellen, dass es die Förderung nicht mehr gibt, toll! Dann beschließt man Umlagen beim Gas (Gasbeschaffungsumlage und Gasspeicherumlage), zieht aber eine von beiden alsbald wieder zurück (Gasbeschaffungsumlage) und so weiter.
    Dann stellt sich der Chef der Bundesnetzagentur (Klaus Müller) vor die Presse und sagt: bitte keine Gas- und Ölheizungen mehr einbauen, die sind zwar im Moment billiger aber perspektivisch teurer. Dann kommt das nächste Interview in dem er sagt, wenn noch mehr Wärmepumpen und E-Autos ans Netz gehen wird es eng, das machen die örtlichen Stromnetze nicht mit. Ja was denn jetzt?
    Die aktuelle Förderkulisse ist auch nicht besonders, den Traum von 70% Förderung erhalten nur ein Bruchteil der Häuslebesitzer.
    Warum man nicht als allererstes mal die kommunale Wärmeplanung abwartet und dann neue, durchdachte Gesetze auf den Weg bringt, ist mir ein Rätsel. Das die Leute im Moment abwarten die keine Not haben ist auch klar. Denn wer investiert jetzt Unsummen in eine Wärmepumpe oder Pelletanlage wenn nicht sicher ist, ob in ein paar Jahren ein Wärmenetz zur Verfügung steht!?
    Wenn es die Regierung wirklich ernst meint mit der Energiewende, dann wäre hier auch mal ein „Sondervermögen“ nötig um den Ausbau der Wärmenetze voranzutreiben. Das jeder sein eigenes Süppchen im Heizungskeller braut macht einfach keinen Sinn. Und dann bitte noch einen Wärmepumpentarif etablieren, der nicht über (ca.) 20 Cent/kWh brutto hinausgeht, um auch im Bestand bei niedrigen Arbeitszahlen einigermaßen wirtschaftlich zu heizen. Denn nicht jeder hat das Geld um seinen Altbau energetisch zu sanieren. Dann sind zwar die Probleme mit Lärm und Kältemittel noch nicht gelöst, aber immerhin. Warum Hersteller immer noch bei funkelnagelneuen Wärmepumpen das Kältemittel R410A verwenden dürfen (GWP von 2088!), erschließt sich mir nicht, vielleicht mal die Entwicklungsabteilung austauschen.
    Und was von dem jetzt beschlossenen Dingen nach der Bundestagswahl 2025 noch übrig bleibt? Man darf gespannt sein….

    1. die Verärgerung über die Förderlandschaft etc kann ich gut nachvollziehen. Auch für uns Energieberater ist es immer wieder überraschend, was sich jetzt wieder geändert hat… was soll man als Häuslebesitzer tun? Das Thema Wärmeplanung wird von den Kommunen viel zu hoch gehängt, leider. Man kann heute schon sagen, welche Bereiche nie ein Nah- oder Fernwärmenetz erhalten werden. Dann wäre in diesen Bereichen schon mal Planungssicherheit gegeben. Den Rest könnte man dann „in Ruhe“ abarbeiten. Die Wärmeplanung sagt auch nicht aus, dass in diesen Bereichen tatsächlich Fernwärme oder Nahwärme gemacht wird, sie sagt nur, dass in den betreffenden Bereichen Nah- oder Fernwärme möglich (!) wären. Ob das dann tatsächlich kommt, hängt von den politischen Beschlüssen der Kommune ab, die auf Grundlage der Wärmeplanung entscheiden.
      Das mit dem Kältemittel für WP ist tatsächlich ein Ärgernis. Ich bin ein großer Fan von „Verbots-Politik“ 🙂 Hat beim FCKW auch sehr gut funktioniert, warum sollte das bei WP anders sein?
      Was soll man als Häuslebauer tun? Möglichkeit ist: Zu mir in die Beratung bei der VZ Saarbrücken kommen, Beratung ist am Donnerstag Nachmittag in Saarbrücken. Anmeldung über die Nummer der Verbraucherzentrale.

      1. Ich arbeite ja bei einem wirklich kleinen Stadtwerkebetrieb (ca. 60 Mitarbeiter), aber selbst wir können heute noch nicht sagen wo neue Wärmenetze entstehen und wo nicht. Wir haben schon einige umgesetzt in den letzten Jahren. Die Erfahrungen werden wir in neue Projekte stecken, aber die Planung braucht einfach seine Zeit, allein die Wärmeplanung (Datenerhebung) ist eine Mammutaufgabe. Viele Kunden rufen natürlich heute schon an und wollen wissen wann es losgeht. Wir können da noch keine seriösen Antworten liefern, weder in die eine noch in die andere Richtung.
        Natürlich in Orten bzw Dörfern, in denen nur ein paar Häuser stehen, da wird wohl nix passieren, hier sollte man sich als Häuslebesitzer schon mal seine Gedanken machen.
        Aber wer jetzt eine kaputte Heizung hat und handeln muss, der sollte unbedingt professionelle Beratung mit ins Boot holen, so unabhängig wie möglich, da bin ich ganz bei dir!

        1. Hallo Michael,
          die Wärmeplanung arbeitet viel unkonkreter als das, was ihr beim Stadtwerk dann braucht, um ein Projekt konkret umzusetzen. Beispiel: durch SB fließt ein Fluss. Fragestellung der Wärmeplanung wäre dann. Kann man prinzipiell Energie aus dem Fluss für ein Fernwärmenetz entziehen und wie viel ungefähr? Das hat dann das Ergebnis: soundsoviel MW Leistung als Kalt oder Warmwärmenetz möglich. Dann stellt sich die Frage: wo liegt bereits ne Leitung, die man erweitern kann. Wie sind die geographischen Verhältnisse? Wo kann man ein neues Netz etablieren, wie ist die Lage zu Wärmequellen. Das ist viel viel Gröber als die dann im Detail deutlich kompliziertere reale Planung. Und z. B. in SB gibt es Gebiete, da kann man jetzt schon sagen: Da wird die Fernwärme nie hinkommen.

  2. Hallo Reinhard, deswegen habe ich ja geschrieben dass die Wärmeplanung eine Mammutaufgabe ist. Diese leisten ja nicht wir, das könnten wir überhaupt nicht, sondern Ingenieurbüros mit entsprechender Expertise auf dem Gebiet. Da es diese aber auch nicht wie Sand am Meer gibt dauert es eben bis Ergebnisse vorliegen. Ob wir dann zum Zug kommen und in welchem Umfang wird sich deswegen leider erst in einigen Jahren rausstellen. Aber es hindert uns auch keiner dran früher tätig zu werden, wenn die Rahmenbedingungen stimmen…..

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