Wintergarten oder Glasanbau

Warum ein Glasanbau kein Wintergarten ist

Viele Nutzer kennen den Unterschied nicht – nur mit dem Wintergarten spart man Energie

Der Wintergarten gehört zu den meist genannten Wünschen, wenn es um die Aufwertung des Eigenheims geht. Bei minus 5°C Außentemperatur und Sonnenschein im Wintergarten sitzen und die Kraft der Sonne genießen. Kein Frieren, dafür ringsum freie Sicht, Sonne und Wärme. Das ist Luxus, das macht Freude.

Angetrieben von diesem Wunsch feiert die „Wintergartenbranche“ fröhliche Zuwachsraten. Da werden Wintergärten in immer besserer Qualität angeboten. Luftdicht, 3-fach-Verglasung, Sonnenschutz, Heizung…. Heizung? – Spätestens hier sollte der aufmerksamen Leser ins Stutzen geraten. Was soll denn eine Heizung in einem Wintergarten? Ein Wintergarten mit Heizung und Dreifachverglasung ist gar kein Wintergarten, sondern eine Wohnraumerweiterung zum dauernden Aufenhalt. Hier entstehen dann u. U. auch baurechtliche Anforderungen. Der Unterschied zum gemauerten Anbau ist dann lediglich, dass die Wärmeverluste riesig sind. Während gedämmte Wände lediglich Wärmedurchgangskoeffizienten von 0,24 W/m²K und weniger aufweisen, kommen wir auch mit einer sehr guten 3-fach-Wärmeschutzverglasung nicht unter 0,8 W/m²K. Das ist immerhin der 3-fache Wert. Der Sonneneintrag im Winter ist auf die wenigen Sonnenscheinstunden beschränkt, dafür gibt es die Wärmeverlust die ganze restliche Zeit. Ganz schlimm wird es, wenn dann auch noch die Tür zum restlichen „Alt-Wohnraum“ weggelassen wird. Dann haben wir durch den Anbau nur eine größere Gebäudehülle, ein größeres und schlechter gedämmtes Gebäudevolumen und dementsprechend höhere Heizkosten. Das ist aber genau das Gegenteil von dem, was man sich von einem Wintergarten erhofft. Der soll doch eigentlich Energie sparen, oder?

Ein Wintergarten spart Energie. Aber ein Wintergarten ist eben keine Wohnraumerweiterung. Ein Wintergarten ist ein vor das Gebäude gesetzter Glasanbau, der mit dem eigentlichen Gebäude lediglich über eine verschließbare Tür verbunden ist. Wenn die Sonne nicht scheint und es im Wintergarten ist, dann bleibt diese Tür auch zu. Nur wenn die Sonne scheint und es im Wintergarten warm ist, dann wird die Tür vom Wohnraum zum Wintergarten geöffnet. So funktioniert ein Wintergarten. Und nur so. Alles andere ist eine Wohnraumerweiterung mit energetisch relativ schlechten Bauteilen, in dem es im Winter zu kalt und im Sommer zu warm ist. Ja, der Sommer… Was macht der Wintergarten eigentlich im Sommer? Am besten gar nichts, sprich: er sollte möglichst gut belüftet sein, so dass sich die Hitze darin nicht staut.

Ein energiesparender Wintergarten funktioniert also folgendermaßen: Wenn im Winter die Sonne scheint, dann wird die Luft und die Bauteile im Wintergarten warm. Diese warme Luft kann für Heizzwecke des Wohnraums verwendet werden und/oder man setzt sich gemütlich in den Wintergarten. Wenn die Sonne nicht scheint und der Wintergarten ist kühl, dann bleibt die Tür zum Wohnraum zu. Im Sommer vermeidet man eine Überhitzung des Wintergartens durch ausreichende intensive Belüftung. Für dieses Konzept ist keine Dreifachverglasung erforderlich, keine Verschattung, und vor allem: keine Heizung.

Ein Wintergarten, der all technisch nach bester Möglichkeit und mit einem hohen ästhetischen Ansprucgh realisiert hat, wurde von unserem Büro bei einem Wohnhaus in Saarbrücken realisiert. Sehen Sie selbst:

Vor dem Umbau war auf der Giebelseite des 1950er Jahre Hauses zum Garten ein kleiner überdachter Balkon vorhanden. Die Bauherrn wünschten eine größere überdachte Fläche mit einem bequemeren Zugang zu einer überdachten Terrasse und dem Garten

Gartenansicht vor Um- und Anbau

 

Wir haben diese Aufgabe durch eine durchgehende Überdachung gelöst, die im gleichzeitig das Dach des Wintergartens darstellt. Die notwendigen Tragelemente für das Vordach bildeten gleichzeitig die Tragstruktur für den Wintergarten. Die Wände des Wintergarten fügen sich in die Tragstruktur als nicht tragende Elemente ein. Die Auskragung der Überdachung ist so groß, dass man auf der Treppe trockenen Fußes auf die überdachte Gartenterrasse gelangt.

Gartenansicht Wintergarten und Vordach

 

Die Glaselemente bestehen je nach Erfordernis als Verbund- oder Einfachsicherheitsglas. Die Seitenwände des Wintergartens lassen sich großzügig öffnen, so dass man im Winter in einem geschlossenen Raum und im Sommer in einem offenen Balkon mit Überdachung sitzt. Durch den Dachüberstand ist Regeneintrag nur bei stürmischen Unwetter zu erwarten. Dann sollten die Fenster aber sowieso geschlossen sein…

komplett geöffneter Wintergarten mit davor liegender Treppe als Zugang zu Terrasse und Garten

 

Die Seitenteile des Wintergartens können komplett geöffnet werden. Somit kommt es zu keinem Hitzestau im Sommer

 

Dieses Projekt zeigt, dass ein Wintergarten nicht von der Stange sein muss, dass man mit einem hohen Grad an Ästhetik an diese Bauaufgabe herangehen kann und dass ohne viel technischen Schnickschnack die Funktion vollkommen und zu aller Zufriedenheit erfüllt werden kann. Eine Liebe zum Detail ist allerdings Voraussetzung, damit das Ergebnis dann auch optisch funktioniert. Dieses Projekt hat uns und den Bauherrn viel Spaß gemacht. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

SCHNEEWEISS ARCHITEKTEN – Ihre Experten (nicht nur) für Energieeffizienz und Barrierefreiheit.

PS: Der Übergang von Wintergarten zum Treppenpodest ist selbstverständlich schwellenlos 🙂

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