Warmwasser mit Zirkulation

schlecht ausgeführte Warmwasserzirkulation frißt Energie

In Mehrfamilienhäusern ist sofortiges Warmwasser ein teuer bezahlter Komfort

Energieverluste durch Warmwasserzirkulaiton
Die Warmwasserzirkulation erhöht den Energiebedarf erheblich

Der Wunsch nach sofortigem Warmwasser hat zu einer Erfindung geführt, der Warmwasser-Zirkulationsleitung. Dabei wird warmes Wasser permanent durch das Gebäude gepumpt, damit dieses sofort verfügbar ist, wenn der Hahn für warmes Wasser geöffnet wird. Das ist komfortabel, frist aber Energie.

Bei Mehrfamilienhäusern und längeren Leitungen vom Warmwasserspeicher zu den jeweiligen Entnahmestellen gibt es aus hygienische Gründe, eine Zirkulationsleitung auszuführen, um die Bildung von Legionellen zu verhindern.


Der reale zusätzliche Energie-Verlust von Zirkulationsleitungen hängt vom tatsächlichen Betrieb ab. Es besteht die Möglichkeit, die Zirkulation auch regelkonform zumindest 8 h/d abzustellen und sehr gut zu dämmen. Das minimiert die Verluste erheblich. Allerdings ist dies oft nicht die Realität. Da laufen mehr oder weniger ungedämmte Rohre durch das Haus. Nicht hilfreich ist das Argument, dass die Energieverluste nicht so schlimm sind, da es ja dem Wohnraum zugute kommt. Auf diese Zufuhr von Energie kann man an einem heißen Sommertag gerne verzichten.

Die Höhe des zusätzlichen Verlustes hängt dementsprechend von der Speichergröße, der Länge der Zirkulationsleitung, der Dämmung der Zirkulationsleitung und der Betriebsdauer ab. Da eine konkrete Zahl zu nennen, ist m. E. pauschal nicht möglich.

An einem konkreten Beispiel (s. Grafik!) ist folgendes nachzuvollziehen:
Beispiel: Altbau Wohnfläche 155 m² (nachträglich gedämmt ca. EnEV-Niveau)
a) Warmwasser-Erzeugung zentral (Gas) mit Zirkulation, Leitungen ungedämmt: Verluste für die Heizung inkl. WW gem. Berechung: 7705 kWh
zu
b) Warmwasser-Erzeugung zentral (Gas) ohne Zirkulation, Leitungen gedämmt nach EnEV: Verluste für die Heizung inkl. gem. Berechnung 3297 kWh (keine technisch zulässige Ausführung!)

D. h., dass eine schlecht ausgeführte Warmwasser-Versorgung mit Zirkulationsleitung in diesem Fall zusätzliche 4400 kWh Heizenergieverlust erzeugen kann gemäß EnEV-Berechnung. Die Realität kann davon natürlich abweichen.

Bei beiden Berechnungen wird ein Trinkwarmwasserbedarf von ca 1940 kWh zugrundegelegt. Damit sieht man, dass der Energieaufwand für WW mit einer schlecht ausgeführten Zirkulation den Faktor 3 zum Nettobedarf erreichen kann. Gleiches sieht man auch in der Grafik. Der Endenergiebedarf für die Warmwassererzeugung mit Zirkulation summiert sich auf 54,41 kWh/m² gegenüber dem Nettobedarf an Warmwasser von 12,5 kWh/m². Das ist immerhin Faktor 4,3. Da kann man dann durchaus fragen, ob die dezentrale Erzeugung von Warmwasser mit Elektrodurchlauferhitzer nicht die ökologischere und wirtschaftlichere Lösung ist im Mehrfamilienwohnhaus. Sowohl von der Investitionsseite als auch von der Verbrauchskostenseite. Bei der dezentralen Erzeugung wird nur die Energie benötigt, die auch verbraucht wird. Eine Kilowattstunde Strom ist dann eine Kilowattstunde warmes Wasser. Bei aktuellen Stromkosten von 35 bis 40 Ct/kWh (Stand Mai 2022) ist das in der Tat günstiger als mit dem 4.3 fachen Faktor warmes Wasser aus Gas oder Öl zu machen. Hier liegt der aktuelle Preis bei ca 15 Ct/kWh, mal 4.3 sind das dann 116 Ct je kWh warmes Wasser. Das ist kostenmäßig circa das 3-fache gegenüber dem Warmwasserdurchlauferhitzer.

Es gibt aber noch bessere Überlegungen. In der Heizperiode kann über dezentrale Wärmetauscher das Warmwasser direkt im Bad über die vorhandene Heizung erzeugt werden. Die eventuell erforderliche Nacherhitzung erfolgt über einen Elektro-Durchlauferhitzer. Im Sommer übernimmt der Durchlauferhitzer die Warmwasserversorgung. Idealerweise ist dieser Durchlauferhitzer noch elektronisch gesteuert und es kommt nur so warmes Wasser aus der Leitung, wie man es auch braucht, nicht heißer. Wenn man es ganz ökologisch haben will, wird der Strom hierfür durch einen PV-Anlage auf dem Dach zur Verfügung erzeugt und in einem Stromspeicher für den tatsächlichen Bedarf zwischengelagert. Im Moment ist diese technisch und ökologisch interessante Lösung allerdings meist nicht wirtschaftlich. Sollten die Batteriespeicherpreise allerdings sinken, sieht das bald anders aus.

An dem Beispiel der Warmwasserzirkulation sieht man, dass der Architekt mit Qualifikation des Energieberaters entscheidend ist, um nachhaltig und langfristig Freude an seinem Gebäude zu haben. Hier verfügen wir über entscheidendenen Vorsprung vor unseren Kollegen – wir helfen Ihnen gerne.

 

 

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