Faktencheck CDU-Saar – Austausch Ölheizungen

Laut Saarbrücker Zeitung vom 29/30. Januar 2022 möchte die CDU den Austausch von privaten Ölheizungen zusätzlich zu den aktuellen Förderungen noch mehr fördern. Zusätzliches Geld freut Verbraucher immer. Doch was hat die CDU genau vor?
Im Artikel heißt es dazu von Hr. Peter Strobel (stellvertretender CDU-Saar-Vorsitzender und Finanzminister des Saarlandes):
„Der Austausch gegen zum Beispiel eine Wärmepumpenheizung ‚koste derzeit etwa 22 000 Euro. (…) Das ist gerade für eine alleinstehende Rentnerin, die nur 1200 € Rende pro Monate bekommt, eine fast nicht lösbare Aufgabe‘ „
Soweit, so gut. Die Fakten stimmmen. Mit dem Beispiel der Wärmepumpenheizung ist allerdings schon mal eine Denkrichtung vorgegeben, die zeigt, wohin die Richtung gehen soll.

und weiter:
„Da nütze es auch nichts, dass der Bund einen solchen Austausch derzeit bereits mit 50% fördere. Da bleiben immer noch 11 000 € über. Das könnten oder wollten sich die wenigesten leisten. Daher wolle die CDU ‚den saarländische Hebel ansetzen‘ und weitere zehn Prozent auf die Bundesförderung drauf legen. (…) Bei etwas Eigenkapital und da Strom billiger als Öl sei, könne so schnell für die Rentnerin eine lukrative Finanzierung entstehen.“

Und nun sind wir endgültig im Bereich der Halbwahrheiten angekommen.

Behauptung: Der Austausch einer Ölheizung wird derzeit bereits mit 50% gefördert.

Realität: Die Förderung des Austauschs einer Ölheizung durch ein regeneratives Ölsystem setzt sich je nach System aus einer Grundförderung + einen Bonus für den Ersatz einer alten Ölheizung + einen Bonus für den individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) zusammen. Nur wenn vor dem Austausch der Ölheizung ein individueller Sanierungsfahrplan erstellt wurde, gibt es eine Förderung von maximal 50 %. Nachzuvollziehen ist dies in dieser Grafik:

Bundesförderung für effiziente Gebäude BEG - Grafik - Förderübersicht
Bundesförderung für effiziente Gebäude BEG – Grafik – Förderübersicht

 

Richtig ist, dass „regenerative Systeme“ allgemein, also Wärmepumpen und Biomasseanlagen in der Förderung erstmal gleich behandelt werden. Allerdings scheint es für Hr. Strobel nur Wärmepumpen zu geben. Hätte er z. B. die Pelletheizungen auch im Blick, dann würde die Förderung bis 55% gehen, wenn man die Emissionsgrenzwerte bei Feinstaub von 2,5 mg/m³ einhält und einen iSFP hat. Da Hr. Strobel den iSFP und alles andere nicht erwähnt, muss man aber festhalten, dass die „normale“ Förderung bei Ölheizungsaustausch gegen ein regeneratives System maximal 45 % beträgt. Wenn man sich für etwas anderes entscheidet, dann liegt die Förderung zwischen 20 und 30%. Damit ist die pauschale „50%-Förderung“ zumindest eine vergröberte und ins Positive überzogene Darstellung.

Kommen wir zur Schlussfolgerung von Hr. Stobel:

„Bei etwas Eigenkapital und da Strom billiger als Öl sei, könne so schnell für die Rentnerin eine lukrative Finanzierung entstehen“

In diesem Satz wundert es zunächst, warum Hr. Strobel nur von der Rentnerin und nicht auch von dem Rentner spricht. Aber da hat er sicher seine Gründe für.

Ist denn Strom nun billiger als Öl? Nein, sicher nicht. Die Vergleichseinheit für Energieträger ist die Kilowattstunde (kWh). Eine Kilowattstunde Strom kostet derzeit im Neuvertrag (Stand 29.1.2022) ab 38 Ct/kWh bei einer Abnahme von 2500 kWh/Jahr. 100 l Heizöl erhält man im Saarland aktuell für ca 100 €, das entspricht 10 Ct/kWh. Damit ist Heizöl deutlich günstiger als Strom.

Betrachtet man eine Wärmepumpe, dann muss man das natürlich anders rechnen. Die Wärmepumpe verwendet Umweltwärme und bringt diese auf ein für das Haus nutzbares Energienivau. Für diese „Veredelung“ wird Strom benötigt. Das Verhältnis zwischen der abgegeben Wärmeenergie an das Haus und der aufgenommenen Stromenergie nennt man Jahresarbeitszzahl (JAZ).

Um mit einer Wärmepumpe das ökonomisch gleiche Niveau wie die alte Ölheizung zu erreichen, muss auf Grundlage der o. g. Energiepeise eine JAZ von 3,8 erreicht werden. Dann werden nämlich aus 1 kWh Strom 3,8 kWh Wärmeenergie hergestellt. Das ist dann ökonomisch das Gleiche wie 3,8 kWh Wärme direkt aus Öl herzustellen.

Wie realistisch ist eine Jahresarbeitszahl von 3,8? Dies hängt von den Randbedingungen ab. Diese sind im Wesentlichen:

– Wärmequelle

– Vorlauftemperatur der Heizung

Bei der Wärmequelle ist die JAZ umso besser, je höher die Temperatur der Wärmequelle ist. Schlecht schneiden dabei Luft-Wärmepumpen ab, sehr gut schneiden Grundwasser-Wärmepumpen ab. Dazwischen liegen die unterschiedlichen Varianten von Erd-Wärmepumpen.

Die Differenz zwischen Vorlauftemperatur und Temperatur der Wärmequelle beeinflusst die JAZ sehr stark.Je höher die Differenz ist, desto schlechter ist die JAZ. Am besten für eine große JAZ sind Flächenheizungen mit einer geringen Vorlauftemperatur und Wämequellen wie Erdreich oder Grundwasser.

Beispiele:

Luft-Wasser-WP mit Radiatorheizung :

Quelle (in der Heizzeit) : -10°C bis 15°C

Vorlauftemperatur : 45°C bis 70°C

Differenz : 30 K bis 80 K => geringe JAZ

 

Erdreich-WP mit Fußbodenheizung :

Quelle (in der Heizzeit) : +10°C

Vorlauftemperatur : 25°C bis 40°C

Differenz : 15 K bis 30 K => hohe JAZ

 

Um welche Häuster geht es nun, die Hr. Strobel „nachrüsten“ möchte. Das sind Eigenheime, die von offensichtlich weitgehend mittellosen Personen in höherem Alter bewohnt werden und über eine alte Ölheizung verfügen. Es ist keine unzulässige Annahme, dass diese Häuser energetisch kein gutes Niveau haben, also weitgehend wenig bis nicht gedämmt sind und dass diese Häuser über Radiatoren als Wärmeübetrager in den beheizten Räumen verfügen. Das sind also Systeme mit einem hohen Energiebedarf, ohne Flächenheizsysteme und mit hohen Vorlauftemperaturen. In solchen Häusern sind – ohne zusätzliche Maßnahmen in das Heizsystem und die Gebäudedämmung – JAZ von größer 3,8 nicht zu erreichen. Das heißt, dass der Betrieb der Heizung nach dem Einbau einer Wärmpumpe teurer ist als vorher.

OK. Aber ist es denn ökologischer? Wenigstens das? Schauen wir uns dazu die Stromerzeugung an:

Stromerzeugung Deutschland Januar 2021 bis Januar 2022 nach Energiequellen
Stromerzeugung Deutschland Januar 2021 bis Januar 2022 nach Energiequellen (Quelle: www.smard.de)

Auf der Grafik ist zu erkennen, dass insbesondere in den heizintensiven Wintermonaten der Anteil konventioneller Energieerzeugung aus Kohle, Gas und Öl bis zu 70% betragen kann. Das ist wenig ökologisch. Wenn nun der Anteil an strombasierten Heizungen wie Wärmepumpen steigt, steigt auch der Strombedarf. Und wie man sehen kann, gibt es im Winter Tage, in denen die regenerativen Energieerzeuger schon heute lediglich 30% des Energiebedarfs stellen können. An diesen Tagen soll es aber in den Wohungen mit Wärmepumpe nicht kalt bleiben. Das heißt, dass hierfür sogenannte „Ersatzkraftwerke“ gebaut und vorgehalten werden müssen. Diese springen dann in so einem Fall ein. Das ist teuer und dementsprechend steigt der Strompreis. Gleichzeitig gilt: Ohne einen massiven Ausbau an erneuerbaren Strom wie Windkraft, Photovoltaik etc. führt der massive Zubau von Wärmepumpenheizungen in nicht gedämmten Häusern dazu, dass der Anteil konventioneller Energieträger wie z. B. Gaskraftwerke steigt. Ökologisch ist das nicht.

Leider findet man keine Zahlen zu den Primärenergiefaktor von Strom, der sich nur auf die Heizperiode bezieht. Gemäß GEG liegt der Primärenergiefaktor von Strom über das Jahr bei 1,8, der von Öl bei 1,1. Damit wäre eine Wärmpumpe mit einer JAZ von 1,64 bereits so gut wie eine Ölheizung, aber nicht besser. Bei den o. g. Anwendungsbeispielen ist eine Jahresarbeitszahl von von 1,8 (Luft-Wärmepumpe) bis 2,5 (Erdwärmepumpe) zu erwarten. Bei einer JAZ von 2,5 wäre man dann ökologisch 34 % besser als die aktuelle Ölheizung. Ökononisch wäre man in den Betriebskosten allerdings deutlich teurer. So ist die Frage, ob man diesen überschaubaren ökologischen Effekt nicht mit anderen Maßnahmen erreicht, die dann dazu führen, dass man auch tatsächlich weniger Geld für das Heizen ausgibt.

Die Antwort ist relativ leicht. Es gibt viele Wege einen so geringen ökologischen Effekt zu erreichen. Der einfachste Weg wäre, statt einer Wärmepumpenheizung eine Pelletheizung einzubauen. Doch bereits durch das Nachrüsten und Optimieren des vorhandenen Systems in Kombination mit kleineren Dämm-Maßnahmen an Kellerdecke und oberster Geschossdecke würde dieser Effekt in vielen Fällen erreicht. Genau kann man dies letztlich nur durch eine qualifizierte Energieberatung erreichen.

Das von Strobel vorgestellte Konzept zeigt aber, dass die unqualifizierte gedankliche Ausrichtung auf eine vermeintliche „Universallösung“ in Form der Wärmepumpe

  • dem Realitäts-Check nicht standhält,
  • die Verbraucher trotz zusätzlicher Förderung im Betrieb über Gebühr belastet wird
  • und damit ein ökologisch recht überschaubarer Effekt erreicht wird.

Unseres Erachtens ist der Gedanke einer zusätzlichen Förderung im Sinne der Energiewende zu begrüßen. Diese zusätzliche Förderung sollte sich aber nicht an einer bestimmten Heiztechnik ausrichten. Jedes Haus, jede/r Nutzer/in ist anders, deswegen gibt es auch immer unterschiedliche Lösungen. Eine Wärmepumpe kann eine Lösung sein, muss es aber nicht. In der Altbausanierung ist eine Wärmepumpe in der Regel nur in Kombination mit umfangreichen Dämm-Maßnahmen eine vertretbare Heiztechnik.

Energieberatung – besser durch den Profi: SCHNEEWEISS ARCHITEKTEN

(Dieser Artikel entstand mit technischer Beratung durch EUA Ingenieure – Helmut Pertz)

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