Strom für die Wärmepumpe

Windrad Beckum 5 MW Anlage
modernes Windrad der 5 MW-Anlage, Wikipedia

Strom für die Wärmepumpe

Ist die Umstellung aller Gas- und Ölheizungen auf Wärmepumpe realistisch?

Die öffentliche Diskussion geht immer mehr in die Richtung, dass einfach nur alle Haushalte eine Wärmepumpe einbauen müssten und dann wäre das mit der Energiewende kein Problem.

Spoiler: Das ist Quatsch

Ausführlich:

Gemäß Umweltbundesamt gibt es in Deutschland 3 939 000 000 qm Wohnfläche. Davon werden ca 23,5 % mit Öl beheizt und ca 48,2 % mit Gas. (vgl. hier) (Um den Rest kümmern wir uns jetzt der Einfachheit halber nicht). Der durchschnittliche Verbrauch beträgt aktuell 15,4 l Heizöl/qm Wohnfläche bzw. 160 kWh/m² Wohnfläche Gas.

Möchte man all diese Heizungen nun durch Wärmepumpen ersetzen, dann braucht man dafür zusätzlich Strom. Eine Wärmepumpe ist eben eine Stromheizung. Ausgehend von diesen Daten erhält man eine abgeschätzte erforderliche Stromleistung bei einem COP von 2,5 (- das ist ein extrem optimistischer Wert bei unsanierten Gebäuden) der Wärmepumpe am kältesten Tag von ca 20 000 Windrädern bzw. 100.000 MW. Das würde bedeuten, dass der Wind gleichmäßig über alle Windräder bläst und alle Windräder unter Volllast laufen. Das ist unrealistisch. Deswegen sollte man mindestens doppelt so viele Windräder haben, also 40 000 Windräder bzw. 200 000 MW installierte Leistung. Denn irgendwo ist immer gerade Flaute.

Die Zubauraten an Windenergie gingen in den letzten Jahren stark zurück und liegen derzeit unter 2000 MW/Jahr. In den Hochzeiten lagen diese bei 6500 MW/Jahr. Die Zubauraten in den nächsten Jahren werden zwischen diesen beiden Werten liegen. Damit brauchen wir 31 bis 100 Jahre, um die erforderliche Stromleistung für die Umstellung der aktuellen Öl- und Gasheizungen auf Wärmepumpe regenerativ zu erreichen.

Einige denken, dass die PV-Anlage auf dem Dach den Strom für die Wärmepumpe liefern könnte. Im Sommer mag das sein. Im Winter bei kurzen Tagen und geringer Lichteinstrahlung ist dies nicht möglich. Den Strom vom Sommer in den Winter zu retten, funktioniert nur über die Umwandlung in Wasserstoff. Theoretisch möglich, aber derzeit noch ein recht teurer Sonderweg. Vielleicht ändert sich das in den nächsten Jahren.

Warum überhaupt regenerativ Strom? Wir könnten ja auch Gaskraftwerke bauen, oder? (Leider passiert genau das derzeit!). Wenn das die Lösung wäre, dann wäre die ökologische Katastrophe perfekt. Gaskraftwerke zu bauen, um Gasheizungen zu ersetzen ist ein Schildbürgerstreich, der ökologisch nicht nur keinen, sondern einen negativen Effekt hat.

Was heißt das?

Die Wärmepumpe ist nicht als alleiniger Problemlöser geeignet. Sie kann bestenfalls im Rahmen eines Gesamtkonzeptes einen Baustein darstellen.

Das Energieniveau der Gebäude ist insgesamt zu senken, damit generell weniger Energie verbraucht wird. Die Restenergie ist möglichst umweltfreundlich zu erzeugen.

(Dieser Blog-Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Helmut Pertz von EUA Ingenieurbüro)

 

 

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