Besseres Lernen durch gute Architektur – Teil 2 – Luftqualität

Im ersten Teil habe ich mich mit dem Thema Lärm in Klassenräumen beschäftigt. Besseres Lernen durch gute Architektur – Teil 1

Ein weiteres Problem stellt die schlechte Luftqualität in den Klassenräumen dar. Der CO2-Gehalt sollte laut dem berühmten Arzt Pettenkofer nicht über 1000 ppm steigen. Entsprechende wissenschaftliche Untersuchungen des Fraunhofer-Instituts haben bestätigt, dass nahezu kein Klassenraum diese Grenze einhält. Meist sind diese Werte schon am Ende der ersten Unterrichtsstunde überschritten. Werte über 1000 ppm führen dabei schon zu

  • Erhöhung der Atemfrequenz
  • Verringerung der körperlichen (und geistigen) Leistungsfähigkeit

Die Fensterlüftung stellt dabei i. d. R. kein ausreichendes Mittel dar, da die Fenster während des Unterrichts geschlossen sind. Draußen ist es schlicht und ergreifend zu laut, außerdem zieht es. Als besonders fragwürdig in diesem Zusammenhang ist auch die vielfach praktizierte Regelung zu sehen, dass aus Sicherheitsgründen lediglich das „Lehrerfenster“ tatsächlich ganz geöffnet werden kann. Das ist in den kurzen Unterrichtspausen viel zu wenig, wenn es denn überhaupt geöffnet wird. Auch diese negativen baulichen Voraussetzung haben die gleichen Wirkungen wie die schlechte Raumakustik. Sprich: Die Konzentration sinkt, die Unruhe steigt, es wird laut. Lehrer(in) und Schüler sind gestresst. Das Aggressivitätspotential steigt.

Ein weiterer Aspekt der mangelhaften Fensterlüftung ist die sommerliche Überhitzung. Schulgebäude sind nachts nicht besetzt. Die Fenster sind also zu. Eine Nachtauskühlung findet dementsprechend nicht statt. Gerade bei längeren Hitzeperioden wie vor einigen Tagen und Wochen wirkt sich dies in einer eklatanten Temperaturzunahme aus. Ab Raumtemperaturen von 26°C und mehr ist konzentriertes Lernen allerdings ebenfalls nicht mehr möglich. Die Empfehlung von Minister Comerçon, dann ins Schwimmbad zu gehen, kann letztlich auch keine Dauerlösung sein.

Was ist also die Lösung? Es ist banal, aber die Lösung ist eine Lüftungsanlage, am besten mit Wärmerückgewinnung im Winter und mit Intensivlüftung ohne Wärmerückgewinnung für die aktive Nachtauskühlung im Sommer. Die Vorteile:

  • Garantierter Luftwechsel
  • geringe CO2-Belastung
  • aktive Nachtauskühlung
  • garantierter Feuchteabtransport zur Vermeidung von Schimmel u. ä.

In der Folge: angenehmes Lernklima für beste Konzentration (die anderen Posts zu diesem Thema sollte man natürlich auch berücksichtigen), bessere Leistungen, entspanteres Lehren und Lernen… weniger Belastung, weniger Überlastung, weniger BurnOut, weniger Aggressivität ….

Was bedeutet eine Lüftungsanlage ästhetisch und baulich? Im Neubau gar nichts. Sie ist schlicht und ergreifend kaum bis gar nicht zu sehen. Im Altbau muss hierfür untersucht werden, ob man eine zentrale oder viele dezentrale Lüftungsanlagen einbaut. Bei den dezentralen beschränkt sich die Optik i. d. R. auf 2 Wandelemente je Klassenraum. Bei der zentralen Lüftungsanlage müssen Kanäle gelegt werden. Die Leitungsführung ist meist etwas schwierig, aber machbar. Hier muss man natürlich etwas Hirnschmalz aufwenden, um die Schule nicht zu einem Technikmonster umzugestalten… Aber ich behaupte, dass das in den meisten Fällen machbar ist.

Für andere Beispiele, in denen Technik mit Ästhetik optimal verknüpft wurde:

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