Wärmedämmung und Brandgefahr

Holzfackel
Feuer fasziniert und bedroht

Wärmedämmung als Brandbeschleuniger?

Schaffen wir uns Sicherheitsprobleme, wenn wir Häuser dämmen?

Reportagen wie 45 Minuten brachten große Verunsicherung in das Thema Außenwanddämmung. Es wird zwar hin und wieder darauf verwiesen, dass es sich bei den betrachteten Dämmungen um Wärmedämmverbundsysteme mit Polystyrol handelt, doch bleibt beim Zuschauer der Eindruck hängen, dass Wärmedämmverbundsysteme als Ganzes fragwürdig und – vor allem – gefährlich sind. Doch was ist dran an der Brandgefahr von Wärmedämmverbundsystemen?

In dem o. g. Film tritt der Chef der Berufsfeuerwehr Frankfurt als Chefankläger auf und – ehrenwert – er hat versucht, seine negative Bewertung durch Fakten zu unterstreichen. Hierzu wurden alle Brandereignisse zusammengetragen, bei denen in den letzten Jahren die Fassade mitgebrannt hat. (s. Übersicht). 

Bei der Aufstellung zeigt sich, dass es sich ausschließlich um Polystyrol-gedämmte Fassaden handelt, die mitgebrannt haben. Großflächenbrände auf der Fassade gab es nur vereinzelt. Im Jahr 2014 gab es deutschlandweit 7 (!) Brände, an denen die gedämmte Fassade überhaupt beteiligt waren. Es gab 1 Verletzten und zum Glück keinen Toten. Ursache war nie die Dämmung, sondern Unachtsamkeit oder Brandstiftung oder Elektrogeräte… Jeder Verletzte oder Tote ist natürlich zu viel.  Es überrascht allerdings die Aufmerksamkeit, die man der gedämmten Fassade zuwendet angesichts dieser Zahlen. Insbesondere wenn man dies mit des Deutschen liebsten Kind, dem Auto, vergleicht. Im Jahr 2014 gab es 3377 Verkehrstote allein in Deutschland – ich kann mich nicht erinnern, dass man deswegen die Abschaffung des Autos verlangt hat…. Aber zurück zu den Fakten.

Folgende Zahlen hat die Zeitschrift Stiftung Warentest zusammengetragen:

Brandstatistik

  • Rund 600 Menschen sterben jährlich in Deutschland bei den rund 200 000 gemeldeten Bränden. Beinahe jedes dritte Brandopfer ist ein Kind.
  • Rund 6 000 Menschen pro Jahr erleiden schwere Brandverletzungen, die oftmals zu bleibenden Körperschäden führen. Außerdem werden etwa 60 000 Menschen leicht verletzt.
  • 95 Prozent aller Brandtoten fallen nicht den Flammen zum Opfer, sondern sterben an einer Rauchvergiftung.
  • 70 Prozent der Brandopfer werden nachts zwischen 23 und 7 Uhr im Schlaf überrascht.
  • Vier Fünftel der Brände entstehen in Privathaushalten, nicht in der Industrie.
  • Nur 7 Prozent aller deutschen Haushalte sind mit Rauchmeldern ausgestattet, in Großbritannien und Schweden sind es 75 beziehungsweise 70 Prozent.

Brandursachen: Gefahren lauern überall

  • Schadhafte elektrische Leitungen, falsche Verwendung und Überhitzung von Elektrogeräten
  • Leicht brennbare Materialien neben sich stark erwärmenden Elektrogeräten wie Bügeleisen, Toastern und Fritteusen
  • Offenes Feuer wie Kerzen, Kamine und Stövchen mit Teelichtern
  • Rauchen auf der Couch oder im Bett
  • Kurzschlüsse durch Standby-Betrieb bei Radio, Fernsehern und Computern
  • Überlastung und Überhitzung von Steckdosen durch Mehrfachstecker
  • Verschmutzte Dunstabzugshauben mit Fettablagerungen
  • Mit Feuer spielende Kinder

Auch hier: Die Fassade ist kein Bestandteil der Brandursache. Das ist auch selbstverständlich. Selbstentzündlich ist keine Fassade, egal aus welchem bauausichtlich zugelassenen Material sie hergestellt wird. Auch Holz entzündet sich nicht von selbst. Es kann also nur darum gehen, in wieweit eine Fassadenbekleidung einen bereits vorhandenen Brand unterstützt oder beschleunigt.

Da es in diesem Blog um Wärmedämmung geht, beschränke ich die Auswahl auf die üblichen Dämmstoffe für Fassadendämmung:

  • Polystyrol, auch bekannt unter dem Markenname Styropor (R)
  • Glaswolle
  • Steinwolle
  • Holzfaserdämmstoffe
  • Zellulose

Jeder dieser Dämmstoffe ist hinsichtlich seiner Brennbarkeit klassifiziert. Glaswolle ist nicht brennbar, Steinwolle ist nicht brennbar. Holzfaserdämmstoffe, Zellulose und Polystyrol sind schwer oder normal entflammbar und erreichen ihren Brandschutz erst durch den Putz. In Verbindung mit dem Putz werden auch diese Wärmedämmverbundsysteme als „schwer entflammbar“ eingestuft.

Der Begriff „schwer entflammbar“ beinhaltet, dass es sich hierbei nicht um nicht brennbare Fassadenbekleidungen handelt, sondern um welche, die brennen können, wenn man sich genügend Mühe gibt, sie anzuzünden. Das wird in Deutschland bauaufsichtlich allgemein toleriert, weswegen es auch wunderschöne Holzhäuser oder Holzfassaden gibt. Bei letzteren wurde die Existenzberechtigung noch nie in Frage gestellt. Angesicht der Tatsache, dass die überwiegende Anzahl der Hausbrände IN den Wohnungen beginnt, könnte auch die Frage gestellt werden, ob eine Holzbauweise hier nicht ein großes Sicherheitsrisiko darstellt…. Auch die beliebte Decken- oder Wandverkleidung mit Holz gewinnt unter diesem Aspekt eine ganz neue Note….

Nun ist nichts so gut, als dass es nicht besser werden könnte. Und es ist in der Tat so, dass eine mit Polystyrol gedämmte Fassade, wenn sie mal brennt, den Brand schlimmer macht. Aber ist das ein Argument gegen die Dämmung? Nein, sicher nicht, denn es gibt nicht brennbare Alternativen. Eine mit Steinwolle gedämmte Fassade mit mineralischem Putz brennt nicht und dämmt trotzdem. Und auch bei den mit Polystyrol gedämmten Fassaden kann man durch entsprechende Ausbildung von Brandriegeln aus Steinwolle dafür sorgen, dass Brände nicht bzw. wesentlich später auf die Fassade übergreifen. Nun kann man der Meinung sein, dass ein späteres Übergreifen auf die Fassade ja nicht das Ziel ist. Da irrt der Laie aber, denn so funktioniert Brandschutz. In allen Bereichen des Bauens. Egal um welches Bauteil es geht. Es geht immer darum, dass genügend Zeit zum Retten bleibt. Nach dieser Zeit kann in dem Gebäude geschehen, was will. Brandschutz ist kein Sachschutz. Brandschutz ist Schutz des Lebens.

Der Schutz des Lebens scheint angesichts der Zahlen in den letzten Jahren funktioniert zu haben. Gleichwohl kann man diesen noch verbessern. Die Mittel hierfür stehen in Form von Steinwolle jedem zur Verfügung. Die Brandvorfälle der letzten Jahre sind damit kein Argument gegen die Dämmung von Häusern.

Wer sich neutral, sachlich kompetent und ohne wirtschaftliche Eigeninteressen informieren lassen möchte, sollte eines der vielen Beratungsangebote von SCHNEEWEISS ARCHITEKTEN in Anspruch nehmen. Hier erhält man alle Informationen, die man braucht, um sich richtig zu entscheiden.

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