Luftfeuchtigkeit 1

richtig lüften ist schwerer als man denkt
Wie und wann soll man im Sommer den Keller lüften?

Lüften des Kellers im Sommer

Nachts ist die Luft kühler, aber ist dann die Luft auch trockener?

Es ist problematisch, Kellerräume im Sommer zu lüften. Das wissen inzwischen viele. Insbesondere Energieberater werden nicht müde darauf hinzuweisen. Als Tipp hört man dann immer wieder, dass man nachts lüften soll. Selbst die Broschüre der Verbraucherzentrale zum Thema „Richtig heizen und lüften“ rät dazu, Kellerräume „nur in den kühlen Morgenstunden“ zu lüften.

Warum in den kühlen Morgenstunden? Richtig ist, dass kühle Luft prinzipiell weniger Feuchtigkeit aufnehmen kann als warme Luft. Doch ist deswegen automatisch in den Morgenstunden weniger Feuchtigkeit in der Luft enthalten als tagsüber, wenn es deutlich wärmer ist?

Anhand zweier sehr warmer Sommertage in Saarbrücken im Jahr 2015 soll dies exemplarisch überprüft werden:

Datum Uhrzeit Temperatur relative Luftfeuchte Wassergehalt g/m³ Luft Schimmelgrenz-temperatur
06.08.2015 17:00 34°C 31% 11,63 18°C
07.08.2015 05:00 23°C 60% 12,33 18.3°C
17:00 35°C 24% 8,44 14,8°C
08.08.2015 05:00 21°C 81% 12,62 21,2°C

Nun kann man die Vermutung haben, dass die ausgesuchten Tage extrem heiß waren und extrem trocken und die Nächte extrem feucht. Ok, versuchen wir es mit anderen Tagen. Dabei wurde der ungünstigste Tageswert und der günstigste Nachtwert gewählt:

Datum Uhrzeit Temperatur relative Luftfeuchte Wassergehalt g/m³ Luft Schimmelgrenz-temperatur
20.08.2015 17:00 23°C 38% 6,56 11,3°C
21.08.2015 07:00 12°C 86% 7,41 13,1°C
16:00 25°C 38% 7,42 13,1°C
22.08.2015 05:00 14°C 75% 7,39 13,0°C

Anhand dieser Tabellen ist nachzuvollziehen, dass an 3 untersuchten Tagen, der absolute Wassergehalt der Luft nachts nicht niedriger, sondern höher als tagsüber war.  Ebenso ist zu erkennen, dass die Schimmelgrenztemperatur, sprich die Temperatur unter der es u. U. zu Schimmelbildung kommen kann, nachts sogar höher war.  Das heißt an diesen Tagen war es hinsichtlich der Gefahr von Schimmel- und Tauwasserbildung gefährlicher nachts zu lüften als tagsüber. Nur an einem Tag war es nachts geringfügig besser. Doch muss man dabei berücksichtigen, dass bei der Auswahl der Kennwerte der ungünstigste Tages- und der günstigste Nachtwert zugrunde gelegt wurde. Da der Vorteil nachts an diesem Tag nur bei 0,03 g/m³ Luft liegt, ist auch hier nicht wirklich ein Vorteil der Nachtlüftung zu erkennen.

Interessant ist bezüglich des sommerlichen Lüftens des Kellers nur, ob die Kellerwände wärmer als die Schimmelgrenztemperatur waren. Am 7./8. August 2015 war es eher unwahrscheinlich, dass der Keller wärmer als 18°C war…, ein Lüften wäre also weder tagsüber noch nachts sinnvoll gewesen.

Dementsprechend ist die Empfehlung, im Sommer lieber nachts oder in den frühen Morgenstunden zu lüften, nicht aufrecht erhalten werden. Vielmehr muss man hier wesentlich differenzierter vorgehen. Der absolute Feuchtegehalt der Luft innen und außen ist zu vergleichen. Und nur wenn der absolute Luftfeuchtegehalt der Außenluft niedriger ist als der Luftfeuchtegehalt der Innenluft können Kellerräume schadensfrei gelüftet werden. Pauschale Empfehlungen helfen da nicht weiter.

Wenn Sie Planer brauchen, die weiter denken – SCHNEEWEISS ARCHITEKTEN

 

 

 

 

3 thoughts on “Luftfeuchtigkeit 1”

    1. Die Schimmelgrenztemperatur hängt von der relativen Raumluftfeuchte und der Raumtemperatur ab. Die Grenze zum Schimmelwachstum wird i. d. R. mit 80% rel. Luftfeuchte angegeben. (Einzelne Schimmelarten keimen allerdings auch schon bei 70%..) Wenn also die relative Luftfeuchtigkeit in Raummitte bereits 80% beträgt, dann ist die Schimmelgrenztemperatur bereits unabhängig von weiteren Angaben bereits erreicht. Wenn in Raummitte die relative Luftfeuchtigkeit 50% beträgt bei einer Raumtemperatur von 20 °C, dann beträgt die Schimmelgrenztemperatur 12,6 °C, da dann eine relative Luftfeuchtigkeit von 80% vorliegt.

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