einseitig gedämmt

Nur eine Hauswand dämmen?

Viele befürchten bauliche Schäden bei Teilmaßnahmen

Immer wieder stellen Hausbesitzer die Frage, ob es sinnvoll ist, nur eine Hauswand zu dämmen und den Rest ungedämmt zu lassen. Viele halten dies für unsinnig. „Wenn ich eine Seite dämme, dann geht die Energie eben durch die andere Wand raus.“ Dahinter steht die Vorstellung, dass Energie sich wie Wasser den Weg des geringsten Widerstands sucht. Und wenn ein Abfluss verstopft ist, dann geht halt mehr Wasser durch den anderen. So ist es aber nicht. Eine Außenwand stellt einen Widerstand gegenüber dem Energietransport dar. Dieser Widerstand ist immer gleich, unabhängig davon, was an einer anderen Stelle des Hauses passiert.

Eine andere Befürchtung ist, dass man sich damit Schimmel ins Haus holt. Diese Sorge ist völlig unbegründet. Eine Voraussetzung für Schimmelbildung ist, dass man kalte Oberflächen hat, die zumindest eine Kapillarkondensation von Wasser zulassen. Durch die Außenwanddämmung erhöht sich aber die Oberflächentemperatur, so dass das Risiko der Schimmelbildung sinkt.

Ein weiterer Vorbehalt gegen das Dämmen nur einer Hausseite ist, dass man hierdurch Wärmebrücken erzeugen würde. Auch hierzu ist zu sagen, dass eine Dämmung der Außenwand in der Regel Wärmebrücken beseitigt. Selbstverständlich kommte es beim Dämmen nur einer Hauswand ebenso wie beim Dämmen des ganzen Hauses darauf an, dass die Maßnahme mit Verstand und fachgerecht ausgeführt wird. Dass das Dämmen nur einer Außenwand auch auf die angrenzenden Gebäudekanten / Außenkanten der nicht gedämmten Außenwände positive Effekte hat, soll an nachfolgendem Wärmebrückensimulationen gezeigt werden.

Zunächst die Wärmebrückensimulation einer Außenkante im ungedämmten Zustand. Die Wand besteht aus Hochlochziegel, 30 cm stark mit der Wärmeleitfähigkeit 0,96 W/mK. Also eine typische Altbauwand. Im Kantenbereich sinkt die Temerpatur auf ca 9°C ab und im ungestörten Wandbereich haben wir lediglich ca 13 °C (Innenraumtemperatur 20°C, Außentemperatur -5°C)

Die ungedämmte Außenwand zeigt im Kantenbereich sehr niedrige Oberflächentemperaturen

 

Was passiert nun, wenn wir nur eine der Außenwände dämmen, so dass wir den gesetzlichen Mindeststandard der EnEV erfüllen (0,24 W/m²K)?

Die Oberflächentemperatur der gedämmten Wand nimmt nahezu die Lufttemperatur an (ca. 19°C). Die Kante zwischen der gedämmten und der nicht gedämmten Außenwand wird ebenfalls deutlich wärmer auf ca. 12°C.  Die ungedämmte Wand bleibt bei ca 13°C Oberflächentemperatur. Durch die Temperaturerhöhung der Kante wird das Schimmelrisiko an dieser Stelle gesenkt. Die ungedämmte Wand bleibt so, wie sie vorher war. Es ist also nichts schlechter, aber vieles besser geworden.

auch wenn nur 1 Außenwand gedämmt wird, steigt die Kantentemperatur

Was heißt das nun für die Nutzung des Gebäudes? Die Nutzung eines Gebäudes muss sich immer nach dem wärmetechnisch schlechtesten Bauteil richten. Während wir vorher also als kälteste Stelle die Kante der beiden Außenwände mit ungefähr 9°C hatten, ist nun die kälteste Stelle auf 12°C angehoben worden. Damit ist das Risiko für unangenehme Schimmelbildung geringer geworden. Die Nutzung wird einfacher.

Wenn Sie fachkompetente Beratung wollen, dann wenden Sie sich an SCHNEEWEISS ARCHITEKTEN. Wir gehen den Dingen auf den Grund.

17 thoughts on “einseitig gedämmt”

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich habe ein kleines Mietshaus an dessen West- Seite aufgrund Verschmutzungen ein Anstrich gemacht werden soll. Allerdings ist das komplette Haus ungedämmt und nun stelle ich mir die Frage ob ich hier direkt vor dem nötigen Anstrich eine Dämmung anbringen lassen soll; eben nur an der einen Hausseite. Gibt es hierzu bereits Erfahrungswerte an Gebäuden an denen nur eine Hausaußenwand gedämmt wurde? Welches Dämmmaterial ist empfehlenswert und langlebig? So dass nicht nach 10 Jahren entfernt, teuer entsorgt und erneuert werden muss. Oder sicherheitshalber doch gleich das ganze Haus dämmen lassen was allerdings sehr teuer wird? Über eine Hilfestellung wäre ich Ihnen sehr dankbar.
    Mit freundlichen Grüßen

    1. Sehr geehrte Frau Feldmann,
      selbstverständlich ist es möglich, nur eine Seite eines Hauses dämmen zu lassen. Solange die Dämmung auf der Außenseite erfolgt, wird hierdurch bauphysikalisch nichts negativ beeinflusst. Die eine Wand wird wärmer, der Rest bleibt so kalt wie bisher. Für eine intensive Beratung bitte ich Sie, persönlich Kontakt aufzunehmen. Es gibt auch die Möglichkeit, die Energieberatung der Verbrauchzentrale in Anspruch zu nehmen. Hier erhalten Sie für einen Beitrag von lediglich 5,- € eine kompetente Beratung. Entsprechende Beratungen biete ich selbst in Saarbrücken jeden Donnerstag Nachmittag an.
      Mit freundlichem Gruß
      Reinhard Schneeweiß

    2. Sehr geehrte Damen und Herren,

      Ist es möglich nur 1 Kellerwand zu dämmen? Wir werden einen neue Terrasse aus Holz bauen lassen und haben dazu die alte aufgeschüttete Terrasse abtragen lassen. Jetzt kann ich für wenige Euro die Wand aufgraben lassen um sie abzudichten. Wir haben bei Starkregen leichte Undichtigkeiten in der Wand gehabt. (Nur 1 mal aufgetreten vor einigen Jahren) Sonst ist die Wand trocken. Macht es Sinn wenn die Abdichtung erfolgt ist die Wand zu dämmen? Die anderen Wände kann ich zur Zeit nicht dämmen. Vielleicht hole ich es aber noch später nach. Das Haus ist Baujahr 1959 und die Kellerwand aus Klinkerstein gemauert. Und sollte die Sockelwand auch gedämmt werden. Das habe ich nämlich nicht vor, da die Dämmung sonst optisch vor die Fassade springen würde die ja nicht gedämmt wird.

      1. Hallo Frau Feldmann, hallo Herr Rhein,
        prinzipiell ist es bauphysikalisch kein Problem auch nur eine Wand/Kellerwand von außen zu dämmen. Konkrete Aussagen zu Ihrem Objekt sind ohne Objektkenntnis aber nicht möglich. Es sind dazu viele Aspekte zu beachten.
        Es gibt bei der Verbraucherzentrale in allen Bundesländern eine Energieberatung. Termin vereinbaren, Planunterlagen und Fotos mitnehmen und danach ist man i. d. R. schlauer. Hier finden sie Ihre nächste Beratungsstelle: https://verbraucherzentrale-energieberatung.de/beratung/stationaere-beratung/
        MfG
        Schneeweiß

  2. Guten Abend,

    Ihre Grafik der Simulation einer einseitig gedämmten Wand stellt eine klassische Wärmebrücke dar, der große Unterschied der Innenwandtemperatur sorgt für Kondensation an der sehr viel kälteren Wand, was zu Feuchtigkeit und Schimmel führt. Ich finde ihre Ausführungen daher grenzwertig gefährlich.

    1. Sehr geehrter Herr Vandaal,
      wenn Sie den gesamten Artikel gelesen haben, dann haben Sie verstanden, dass es um eine völlig andere Fragestellung geht. Die Behauptung, dass eine einseitig gedämmte Wand eine Wärmebrücke darstellt ist übrigens falsch. Die Wärmebrücke ist – wenn der Begriff hier bemüht werden muss – die Kante, an denen die beiden Außenwände aufeinanderstoßen. Diese Wärmebrücke besteht vorher wie nachher. Die Frage ist, wie verändert sich diese Wärmebrücke? Und aufgrund der Erhöhung der Oberflächentemperatur im Kantenbereich wird der positive Einfluss auch bei nur einer außenseitig gedämmten Wand deutlich. Wir sind uns natürlich einig, dass es immer besser ist, wenn alle Wände außenseitig gedämmt werden. Aber die oft gestellte Frage ist, ob man etwas „falsch“ oder „schlechter“ macht, wenn man zunächst nur eine Seite dämmt und zu einem späteren Zeitpunkt weiter dämmt? Und hier ist die klare Aussage des Artikels. Die gedämmte Seite wird besser. Die ungedämmte Seite bleibt, wie sie ist. Die Kante wird besser. Das Heizungs- und Lüftungsverhalten muss sich nach dem schlechtesten Bauteil richten. Daran ist nichts „grenzwertig“.
      Mit den besten Grüßen
      R. Schneeweiß

  3. Guten Tag Herr Schneeweiß.
    Zu Ihrem Thema ,,einseitige Dämmung“.
    Ich habe demnächst vor, genau dieses zu machen.
    Mein Haus Bj. 1971 30er Leca Hochlochziegel. mit Putz ca 34-35 cm-

    Kann man nun pauschal sagen, das ihr Bsp. für die Wärmebildaufnahmen genau meinen Wandaufbau darstellt?
    Es geht um die Nordwand, da ich da keine Fenster drinnen habe.

    bitte höflichst um Rat, sodass ich keinen Fehler mache.

    Hochachtungsvoll Thomas B.

    1. Hallo Thomas B,

      es ist natürlich nicht möglich, Ihren Einzelfall ohne genaue Kenntnis des Ortes und der Situation zu beurteilen. Nach Ihrer Beschreibung, ist Ihr Fall zumindest sehr ähnlich mit dem aus dem Artikel. Einen Fehler macht man mit einer Außenwanddämmung von außen i. d. R. nicht, wie im Artikel dargestellt. Auf die fachgerechte Planung und Ausführung der Außenwanddämmung ist natürlich trotzdem zu achten. Der Fehler liegt oft im Detail.
      Beste Grüße nach Österreich – bleiben Sie gesund
      Architekt R. Schneeweiß

      1. Besten Dank für die schnelle Rückmeldung. Können Sie mir sagen, welche Stärke der Dämmung am besten wäre? Die Mauerstärke wissen Sie ja schon. Die Kellerdecke ist ca. 0,75m über Aussenniveau. Besten Dank im voraus.

        1. Bitte wenden Sie sich für konkrete Empfehlungen an einen Energieberater Ihrer Region. Wir kennen uns mit den konkreten Vorgaben in Österreich nicht aus. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

  4. Guten Tag wir haben ein alter Haus (bj 1953)🏡 da Ist im Dachgeschoss Bereich und og Bereich ca 1980 Mal gedämmt worden. Minerrall od Steinwolle ca 10 zetemter, und Kacheln darauf,( einmal ums Haus) jetzt wollte ich im EG neue Fenster Einbauen ( Alte Fenster BJ 1983)
    Puls Dämmung zw 14 und 16 cm minerralwoll , gibt’s da irgendwelche Bedenken was durch eine Temperatur Unterschied zu Schäden führen könnte

    1. Hallo Thimo,

      zunächst als Vorbemerkung: Über diesen Weg gibt es keine verbindlichen und abschließenden Empfehlungen.
      Vom Prinzip ist die Differenz der Dämmwirkung derzeit ohne Dämmung viel größer als nachdem Sie zusätzlich das EG gedämmt haben. Desweiteren führt die zusätzliche Dämmung zu einer Minimierung der Temperaturunterschiede. Somit besteht auf Grundlage Ihrer Angaben erstmal kein Grund für Bedenken. Letztlich kommt es aber auf die genaue Planung und Detailausführung an. Für eine allgemeine Beratung empfehle ich Ihnen die Energieberatung der Verbraucherzentrale in Ihrem Wohngebiet. Detailplanung und Ausführungsüberwachung kann durch einen Energieberater / Architekt Ihrer Gegend übernommen werden.

  5. Sehr geehrte Damen und Herren,

    Das Mehrfamilienhaus, in welchem unsere Wohnung liegt, wurde von zwei Seiten her energetisch mit einem Wärmeverbundsystem versehen; mit der Folge, dass diese Räume seitdem ein deutlich besseres Wärmehaltevermögen aufweisen.
    Leider sind aber jene Zimmer, die direkt an die dritte, ungehemmt Außenwand angrenzen zu jeder Zeit deutlich kälter, auch wenn die Heizung grundlegend eine Stufe höher läuft, als in den Zimmern mit gekämmte Außenwand.

    Entsteht hierdurch nicht die Gefahr, dass die warm-feuchte Luft der warmen Zimmer an der deutlich kälteren Wand der Zimmer ohne Dämmung kondensiert und es hierdurch eben doch zu einer höheren Gefahr durch Schimmel kommen kann?

    Welche Gegenmaßnahmen können Sie als Architekten in diesem Fall empfehlen; Sie schreiben ja in Ihrem Artikel, eine einseitige Dämmung eines Gebäudes würfe die Schimmelgefahr keines Wegs erhöhen. Oder beziehen Sie sich hier lediglich auf die warme, gedämmte Wand?

    Mit freundlichen Grüßen.

    1. Hallo Alfred,
      das Lüftungsverhalten nach einer Teilsanierung richtet sich immer nach dem verbliebenen schlechtestem Bauteil. Das war aber vorher schon so schlecht wie nachher. D. h., es sind keine erhöhten Anforderungen nach dem Sanieren, sondern die gleichen wie vorher.
      Beste Grüße
      Reinhard Schneeweiß

  6. Sehr geehrte Damen und Herren,

    auf dem Bild mit der einseitigen Wanddämmung ist erkennbar, dass der rote (wärmere) Bereich an der gesamten nicht gedämmten Wand kleiner/dünner geworden ist, wie auf dem Bild, ohne Dämmung. Woran liegt das? Es sieht damit so aus, als ob der kältere Bereich weiter Richtung Innenraum wandert. Verschiebt sich damit der Taupunkt nicht auch weiter nach innen?
    Je nach Wandaufbau dann schlimmstenfalls vieleicht sogar in den Raum rein, bzw. auf die Oberfläche der Innenwand.

    Grüße
    Thomas Lehmann

    1. Hallo Herr Lehmann,
      aus den Farben können Sie nicht auf die tatsächliche Temperatur schließen. Da es sich um eine Fehlfarbendarstellung handelt, wird das durch das Programm bestimmt. Die immer wieder zitierte „Taupunktverschiebung“ ist bei einschichtigen Konstruktionen irrelevant, insbesondere wenn man damit meint, wo die „0°C-Linie“ verläuft. Interessant ist lediglich, ob es zu Tauwasserausfall in der Konstruktion kommt. Das ist bei einschichtigen Konstruktionen bzw. bei Konstruktionen mit Außendämmung nahezu ausgeschlossen. Die Befürchtung, dass es wg. einer teilweisen Außendämmung zu Schimmelbildung oder Tauwasserausfall auf der ungedämmten Wand kommt, ist damit unbegründet, so lange sich das Lüftungsverhalten am kältesten Bauteil orientiert.
      Beste Grüße
      Reinhard Schneeweiß

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