Wärmedämmung und Wirtschaftlichkeit

Dämmung und Wirtschaftlichkeit

Rechnet sich das Dämmen von Gebäuden?

Die Wirtschaftlichkeit von Dämm-Maßnahmen wird gerne bezweifelt. So z. B. auch in dem Artikel der FAZ über den „Dämmwahn“. In diesem Zusammenhang wird auch manchmal vom „Rebound-Effekt“ gesprochen. Was steckt dahinter?

Zunächst sei an dieser Stelle die Frage erlaubt, warum eine energetische Sanierung sich eigentlich selbst rechnen muss? Wenn man heute ein Auto kauft, so hat dieses die strengeren gesetzlichen Vorgaben von heute zu erfüllen. Kein Mensch fragt hier nach Wirtschaftlichkeit und wann sich der vermeintlich geringere Spritverbrauch die Neuanschaffung amortisiert hat.

Bei der Hausdämmung scheint dies anders zu sein. Die Akzeptanz, dass man strengere Umweltvorschriften einzuhalten hat, ist gering, und deswegen versucht man die Menschen mit der Wirtschaftlichkeit der Maßnahme zu überzeugen. Die Investition soll sich also bezahlt machen. Man könnte aber auch einfach sagen: „Dein Haus ist eine Dreckschleuder, das ist gesellschaftlich nicht mehr akzeptabel. Wenn Du also an Deinem Haus etwas änderst, dann mach das so, dass es den heutigen Umweltvorstellungen entspricht.“ So klar ist der Gesetzgeber aber nicht, da er den Schutz des Eigentums über alles stellt. Die Verpflichtung zu Dämm-Maßnahmen wird also deswegen in der Energieeinsparverordnung unter das Primat der Wirtschaftlichkeit gestellt. Kurz gefasst: Die Umwelt wird nur dann geschützt, wenn es wirtschaftlich für den Betroffenen von Vorteil ist oder zumindest keinen Nachteil darstellt. Erst der Geldbeutel, dann die Natur. Ob man diese Haltung gut findet, soll hier nicht diskutiert werden.

Dieses Primat der Wirtschaftlichkeit und des Eigentums hat dazu geführt, dass es nur in ganz bestimmten Fällen zu gesetzlichen Anforderungen kommt:

  1. Ein Haus wird neu errichtet
  2. An einem Haus wird etwas in relevantem Umfang geändert

Eine Ausnahme stellen die sogenannten Nachrüstverpflichtungen dar, die Maßnahmen von sehr geringem finanziellen Aufwand beinhalten, wie z. B. die Dämmung der obersten Geschossdecke zum nicht beheizten Dachbereich oder die Dämmung von freiliegenden und ungedämmten Heizungsleitungen. Diese Maßnahmen rechnen sich allerdings in so kurzer Zeit, dass es nicht zu tun, schon an wirtschaftliche Unvernunft grenzt.

Wie steht es nun um die Wirtschaftlichkeit von Dämm-Maßnahmen? Zum einen ist prinzipiell zu sagen, dass Dämm-Maßnahmen zu einer Reduzierung der Heizkosten führen. Dies allein ist schon mal schön. Dämm-Gegner erwarten nun, dass die Dämm-Maßnahme die Einsparungen aus den Heizkosten innerhalb weniger Jahre so groß sind wie die Gesamt-Investition. Das ist aber sachlich nicht korrekt. Wie oben erwähnt, werden die Dämm-Maßnahmen nur dann verlangt, wenn etwas in relevanten Umfang sowieso hätte neu gemacht werden müssen. Beispiel: der Putz ist rissig und muss erneuert werden. Wenn nun nur der Putz erneuert wird, dann kostet dies auch etwas, ohne dass es dabei zu Energieeinsparungen kommt. Zu Energieeinsparung kommt es nur aufgrund der Dämmung. Das heißt aber auch, dass von den Gesamtinvestition der Dämm-Maßnahme der Teilbetrag abgezogen werden muss, der auch ohne Dämmung aufzuwenden gewesen wäre.

Beispiel Außenwand:

Reine Putzerneuerung inkl. Anstrich und Gerüst: ca 60 €/qm

Wärmedämmverbundsystem inkl. Anstrich und Gerüst: ca. 140 €/qm

Mehrkosten der Dämm-Maßnahme: ca. 80 €/qm

Die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung kann sich dementsprechend nur auf die Mehrkosten der Dämm-Maßnahme beziehen und nicht auf die Gesamtinvestition.

Bis hierhin war es einfach. Jetzt wird es kompliziert. Um die Höhe der Einsparungen zu berechnen, benötigt man nun viele Eingaben, die mit Unsicherheiten belegt sind:

  • wie warm sind die nächsten Jahre nach der Maßnahme? Warme Jahre führen zu geringeren Einsparungen, so dass die Maßnahme sich schlechter amortisiert, kalte Jahre führen zu höheren Einsparungen, so dass die Maßnahme sich schneller amortisiert. Da niemand weiß, wie die nächsten Jahre werden, wird mit Standardwerten gerechnet. In der Rückschau auf die letzten 10 Jahre muss man hier feststellen, dass die Standardwerte zu positiv sind, da die letzten Jahre alle viel wärmer waren als das Standardjahr.
  • wie ist der aktuelle Energiepreis und wie entwickelt er sich? Auch hier kann man keine zuverlässigen Aussagen machen. Rechnet man mit hohen Energiepreissteigerungen, so rechnet sich eine Maßnahme sehr schnell. Tut man so, als ob die Energiepreise gar nicht steigen in den nächsten Jahren, so kann man fast jede Maßnahme als unwirtschaftlich hinrechnen
  • wie verhält sich der Nutzer nach der Dämm-Maßnahme? Es ist auffällig, dass in wissenschaftlich begleiteten Objekten, die gedämmt wurden, nach der Dämmung ein durchschnittlich höheres Temperaturniveau herrschte als vorher. D. h., dass aus vorher sehr sparsamen Nutzern hinterher sogenannte „Komfort-Nutzer“ wurden. Dadurch wird der Energieeinspareffekt deutlich geschwächt. Dies wird auch als „Rebound-Effekt“ bezeichnet.
  • wie wird der Bestand bewertet? Die Einordnung der energetischen Qualität des Bestandes erfolgt i. d. R. nach den Regeln zur Datenaufnahme und Datenverwendung im Wohngebäudebestand. Problem dabei ist nur, dass diese Pauschalwerte meist zu schlecht sind und der tatsächliche Bestand besser ist als die Werte es vorgeben. In der Folge werden die energetischen Verbesserungen zu positiv berechnet.

Bei der Vielzahl an Variablen sind dementsprechend eine Vielzahl an kleinen und größeren Fehleinschätzungen möglich, die das Ergebnis verfälschen. In die eine wie in die andere Richtung. Je nachdem, ob der Betrachter am Ende für oder gegen eine Dämm-Maßnahme ist, kann er durch kleine Veränderungen das Ergebnis so drehen, dass genau das Gegenteil einer anderen Berechnung herauskommt. Das als Beweis für irgendetwas zu nehmen ist – wie ich hoffentlich gezeigt habe – solange falsch, so lange man sich nicht die getroffenen Annahmen angeschaut hat und mit diesen übereinstimmt.

Nun gibt es auch die Behauptung anhand fertig gestellter Dämm-Maßnahmen, dass diese nicht die versprochenen Einsparungen gebracht haben bzw. sogar gar keine Einsparungen erzeugt hätten.  Zum Versprechen gilt das oben gesagte. Zu den angeblich fehlenden Einsparungen werden regelmäßig keine Daten vorgelegt, so dass die Behauptung immer wieder im Sande verläuft. Meist hat nur jemand von jemand gehört, der gehört hat, dass es so wäre….

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